Station 8: Gedenktafel an der Bergstraße

Am 4. Mai 1999, dem 80. Tag der Ermordung von Georg Schuhmann und Alois Lahn, fand ein 1. Historischen Rundgang statt, den Bürgermeister Ludwig Reimeier eröffnete und dem zahlreiche politische Lokalprominenz beiwohnte. Dabei wurde auch die erste Gedenktafel für Georg Schuhmann und Alois Lahn feierlich enthüllt, die aber schon wenige Monate später, im Januar 2000, mit blauer Farbe zugesprüht und damit zerstört wurde.

Am 4. Mai 2000 konnte die 2. Tafel in einer feierlichen Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Kolbermoorer Künstler Walter Still hatte eine viel größere und sehr massive Gedenktafel geschaffen. Sie war im Boden einbetoniert, und auf einer großen Marmorplatte befand sich eine Messing-Gedenktafel. Bald darauf legte ich vor der Tafel ein Blumenbeet an, das ich an die 15 Jahre pflegte. Die Tafel wurde durch den Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und eine Spende von Prof. Dr. Klaus Weber finanziert

Ein langer Weg hatte zu dieser Gedenktafel geführt. Die Kolbermoorer Stadträte lehnten am 27.1.1999 den entsprechenden Antrag der Grünen Liste mehrheitlich (11:10) ab. Ein zweiter Antrag von mir und dem Vorsitzenden des DGB-Ortskartells Hans Lorenz wurde gar nicht erst zur Besprechung zugelassen. Es hieß, der Grund am Bahndamm, auf dem die Tafel stehen solle, gehöre gar nicht der Stadt, sondern der Bahn. Wir ließen uns nicht irritieren und beschlossen im Kreisvorstand der GEW, die Tafel dennoch am 04.05.2000 einfach aufzustellen. So geschah es dann auch.

Im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder von Nazis angegriffen. Mal wurde versucht, die Schrift mit Säure unleserlich zu machen, mal wurde sie mit Hakenkreuzen und der Schrift „Noske, do it again!“ beschmiert. Noske war der Polizeiminister, der in Berlin die Räterepublik blutig zerschlagen ließ. Der letzte Angriff auf die Tafel zerstörte sie völlig. Mit schwerem Geräte gelang es 2016 den Tätern, die zehn Zentimeter dicke Marmortafel zu zerschlagen und die Messingtafel schwer zu beschädigen.

Jetzt ließ ich die in Trümmern daliegende Tafel einfach so stehen, damit die Kolbermoorer Bevölkerung sich von der Situation ein Bild machen konnte. Schließlich beantragte die Stadträtin der SPD Dagmar Levin, dass die Stadt 5000 Euro für eine neue Tafel zur Verfügung stellen möge. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Josef Still, der Sohn des ehemaligen Kolbermoorer Künstlers Walter Still wurde beauftragt, eine möglichst unzerstörbare Gedenktafel zu entwerfen. Diese wurde am 11. November 2018, also genau 100 Jahre nach der Einberufung der 1. Volksversammlung zur Wahl eines ersten Volksrates eingeweiht. Die Stadt Kolbermoor legte zudem eine Blumenrabatte rund um die Tafel an und pflegt sie seitdem. Damit bekennt sich die Stadt zu diesem so wichtigen Teil ihrer Geschichte.

Wir begeben uns jetzt zum nahe gelegenen Mareis-Saal in der Rosenheimerstraße 8. Das Gasthaus dort, in dem Bilder der Räterepublik hingen, ist zur Zeit geschlossen.