Über das, was in diesem Haus am 4. Mai 1919 geschah, berichtet der Vater von Alois Lahn, der Spinnereimeister gleichen Namens, am 17.09.1919 im „Anzeiger von Kolbermoor“:
„Sonntag früh, den 4. Mai 8 Uhr kam ein Trupp Weißgardisten, 11 Mann, welche nach Alois Lahn frugen. Sie rissen ihn aus dem Bett, zerrten ihn zur Türe hinaus, warfen ihn an den jenseitigen Gartenzaun, wo er sich an einem Pfosten ein Loch in den Kopf schlug. Mir, der ich nachging, wurde mit Erschießen gedroht. Mein Sohn wurde wieder in die Höhe gerissen, mit Gewehrkolben wieder niedergeschlagen, einer schlug ihm mit der Schreibmaschine die Hirnschale ein. Nachdem er wieder aufgerüttelt worden war, wurde er von 2 gehalten, während ihn 3 ausplünderten (Geld, Brieftasche, Habseligkeiten). Ein Teil d. Trupps, ein Leutnant und 3 Mann sprengten währenddessen in der Wohnung die Kästen auf, rissen aus einem ein Grammophon und demolierten es, nahmen 2 Anzüge und 1 Paar Stiefel mit. Der Leutnant wollte in seinem Kampfeifer sogar noch das 4jähr. Kind erschießen. Mein Sohn wurde durch die Straßen geschleift, 80 – 100 Meter, am Bahnhofübergang ohne Urteil erschossen!
Die Verfolgung der Straftäter verlief zunächst ohne Ergebnis. Erst als der Vater sich am 25.6.1919 an das Kriegsministerium wandte, wurde die Angelegenheit ernster genommen.
Schließlich wurden mit Georg Schneider und Johann Rusch die Mörder gefunden. Es waren zwei Grafinger Weißgardisten. Beide gaben die Erschießung sowie die Misshandlungen Schuhmanns und Lahns zu. Die Anklage der Polizeidirektion München lautete auf Mord.
Anfang 1920 fand der Prozess statt: Es erfolgte Freispruch in beiden Fällen. Den Tätern habe das Bewusstsein der Widerrechtlichkeit der Tötung gefehlt.
Wir gehen weiter zum Heimatmuseum. Es befindet sich unmittelbar am Bahnhofsvorplatz.