Station 3: Schuhmann-Haus

Das Haus, in dem Georg Schuhmann wohnte, steht nicht mehr. Gehen wir die Schuhmannstraße Richtung Mangfallkanal weiter, müssen wir es uns auf der linken Straßenseite vorstellen, wo sich heute ein neues, großes Wohnhaus befindet.

Georg Schuhmann zog am 15.11.1918 aus der „Sanierung“ nach Kolbermoor zu seiner Schwester. Diese war zwei Jahre zuvor, am 5.11.1916 nach Kolbermoor zugezogen, und zwar zunächst in die Karlsstraße 2.

Sie Sanierung war ein großes Barackenlager zwischen Rosenheim und Kolbermoor, im heutigen Bereich des Aicher-Parks. In den über 100 provisorischen Gebäuden wurden während des 1. Weltkrieges Soldaten entlaust, konnten baden und bekamen neue Kleidung, um wieder in den Krieg zu ziehen.

Georg Schuhmann war 32 Jahre alt (geboren am 6.3.1886) und zog jetzt zu seiner Schwester in die Straße, die später seinen Namen tragen sollte.

Vier Tage vorher war es von Seiten der SPD zur Einberufung einer großen Volksversammlung in den örtlichen Mareis-Saal gekommen. Die Kolbermoorer hatten die Zeichen der Zeit verstanden und wählten einen Volksrat, der sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensetzte. Er hatte 25 Mitglieder, darunter waren der Bürgermeister Bergmann sowie zwei Kommerzienräte. 1. Vorsitzender wurde der Gastwirt Franz Sperber, 2. Vorsitzender der Bürgermeister Bergmann. Der Volksrat sollte ein Kontrollorgan sein, „um die Tätigkeit der hiesigen amtlichen Stellen zu überwachen und Misstände abzustellen.“

Unzureichend waren die Gesundheitsversorgung und die Versorgung mit Nahrungsmitteln aller Art. Deshalb wurde von den Räten ein Lebensmittelausschuss gebildet. Er sollte die Geschäfte überwachen und dafür sorgen, dass die vorhandenen Lebensmittel gerecht verteilt wurden. Außerdem kümmerte sich fortan der Volksrat um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und sorgte für neue Arbeitsplätze und vieles mehr. Drei Mitglieder wurden für die Teilnahme an den Sitzungen des Gemeinderates gewählt.

Georg Schuhmann, der ja noch nicht im 1. Volksrat war, muss sich während dieser ersten sechs Wochen intensiv in die politischen Verhältnisse eingemischt haben und dies offenbar mit großem Erfolg. Wir dürfen davon ausgehen, dass er, als er nach Kolbermoor kam, bereits über erhebliche politische Erfahrungen verfügte, denn als es am 8. Januar 1919 zur Wahl des 2. Volksrates kam und eine radikalere Richtung eingeschlagen wurde sowie eine zunehmende Abwendung von mehrheitssozialdemokratischen Positionen, wurde er gleich in den Volksrat hineingewählt. Denn es war Kritik am 1. Volksrat aufgekommen und ein Volksrat gewünscht, der in seiner Zusammensetzung mehr dem Arbeiterort Kolbermoor entsprach. Gewählt wurden sechs Arbeiter, ein Lehrer, ein Bürgerlicher und ein Bauer Der Installateur Georg Schuhmann wurde auf der 1. Sitzung des neu gewählten Volksrat zum neuen Volksratsvorsitzenden gewählt.

Einen Monat später (1.2.1919) zog er mit seiner Schwester in die Straße, die später seinen Namen erhielt. Aber noch lagen drei Monate intensiver Arbeit vor ihm. Der neue Volksrat beschleunigte die Arbeit und Schuhmann selbst gab den Motor der Bewegung ab. Er schaute unter die Ladentische, ob nicht Lebensmittel gehortet wurden, sorgte für Arbeit im Straßenbau und beim Uferschutz der Mangfall, forderte die Einführung des 8-Stunden-Tages sowie eine gerechte Entlohnung. Der Volksrat kämpfte gegen die Bereicherung Einzelner, rügte mit Erfolg schlechte Lebensmittel und leitete Beschwerden der Bevölkerung an den Gemeinderat weiter.

Jetzt gehen wir weiter Richtung Mangfall-Kanal und halten beim Straßenschild Schuhmannstraße.